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Das Ruhrgebiet: Region der ungeahnten Möglichkeiten, kurzen Wege und einer direkten Ansprache
Kohle, Stahl und rauchende Schlote, Fußball und Schrebergärten: Das sind die üblichen Bilder, die
bis heute mit dem Ruhrgebiet in Verbindung gebracht werden. Die Klischees halten sich hartnäckig
und sind doch längst überholt. Kaum eine Region in Mitteleuropa, hat sich in den letzen
Jahrzehnten so gewandelt wie das. Die Kohlezechen wurden stillgelegt, die Hochöfen sind erloschen.
Hochtechnologie, Handel und Dienstleistungsgewerbe heißen die Wirtschaftszweige der Zukunft.
In den letzten Jahren hat sich der Strukturwandel in dieser Region, die 53 selbstständige Gemeinden,
elf kreisfreie Städte und vier Kreise umschließt, sehr deutlich gemacht. Der Wandel, der den
Menschen noch vor zwei Jahrzehnten soviel Kopfzerbrechen bereitet hat, ist zum positiven Symbol
für das Ruhrgebiet und dessen Einwohner geworden. Mussten viele Industriegebäude weichen, so
konnten von den alten "Kathedralen der Arbeit" doch auch einige erhalten und mit neuem Leben
gefüllt werden. An diesen Stätten der Industriekultur erkennt man die Leidenschaft und die
Phantasie der hier lebenden Menschen, die sich nicht so schnell "unterkriegen" lassen. Aus dem
größten Gasometer der Welt (117,5 Meter hoch und 68 Meter Durchmesser) in Oberhausen wurde z. B. ein Ausstellungsort, der den Veranstaltungen ein einmaliges Ambiente bietet. Bei einem Besuch der Aussichtsplattform auf dem Dach des Gasometers hat man eine unglaubliche Weitsicht über das grüne Ruhrgebiet. Seit 1994 finden hier gut besuchte Ausstellungen statt, etwa die Installation "The Wall" aus 13.000 bunten Ölfässern der Aktionskünstler Christo und Jeanne-Claude. Aber auch der Fußball war mit "Der Ball ist rund" zum 100-jährigen Bestehen des Deutschen Fußball-Bundes vertreten. Derzeit kann man im Rahmen der RUHRtriennale die Installation "Five Angels of the Millenium" des renommierten Video-Künstlers Bill Viola sehen.
Die unter Denkmalschutz stehende Zeche Zollverein in Essen wurde im Dezember 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Ihr Förderturm wird gerne als Eiffelturm des Ruhrgebietes bezeichnet. Sie ist u.a. Veranstaltungsort für Großveranstaltungen, z. B. war 2002 die Weltmusikmesse WOMEX dort zu Gast. Das Areal der Zeche wird bis 2005 weiter umgebaut. Hier entsteht ein Gewerbepark im design-wirtschaftlichen Bereich und eine Schule für Design.
Ein weiterer sehenswerter Zeuge der Industriekultur und des Strukturwandels ist der Landschaftspark
Duisburg Nord. Hier vereinigt sich Industriegeschichte, Ökologie, Erholung, Freizeit und Kultur.
Den Mittelpunkt bildet die 1985 stillgelegte Meidericher Eisenhütte. Auf dem 200 Hektar großen Gelände sind zahlreiche Attraktionen entstanden, etwa der Kletterpark in den alten Erzbunkern. Ein ehemaliger Gasometer bietet gar Gelegenheit zum Tauchen. Die Besucher können einen Hochofen besteigen oder an unterschiedlichen Führungen teilnehmen. Abends verwandelt eine Lichtinszenierung des britischen Künstlers Jonathan Park das Hüttenwerk in ein faszinierendes Lichtspektakel.
Die Villa Hügel zeigt eine andere Seite der Industrie. Sie ist mit ihren 269 Zimmern das imposanteste Beispiel für den Reichtum, den die Zechenbesitzer im Ruhrgebiet erwirtschafteten. Die Villa Hügel diente von 1873 bis 1945 der Industriellenfamilie Krupp als Wohnsitz und Repräsentationsort des Unternehmens. Das Haus war einst Hauptwohngebäude der Familie und beherbergt heute die Kulturstiftung Ruhr. Des weiteren informieren Ausstellungen über die Geschichte der Familie und des Unternehmens. Die repräsentative Parkanlage lädt zu einem Spaziergang und zum Verweilen ein.
Aber nicht nur Zeitzeugen der Industriegeschichte prägen das Bild im Ruhrgebiet und das Leben der Menschen. Zahlreiche Varietés, Kinos und Museen bieten ein vielfältiges Programm. Insgesamt zählt die Kulturlandschaft des Ruhrgebietes sechs Schauspielhäuser, vier Mehrspartenhäuser, zwei Musiktheater, drei Musicaltheater, vier Varietétheater und 23 freie Bühnen. Die Spannbreite geht dabei von experimentellen Aufführungen, über klassische Inszenierungen bis hin zu preisgekrönten Vorstellungen. Kinos sind ebenso zahlreich wie vielfältig. Neben den hochmodernen Multiplexkinos gibt es im Ruhrgebiet noch vereinzelte historische Lichtspieltheater der alten Art. In dieser einzigartigen Kulturlandschaft sind rund 100 kulturgeschichtlichen Museen, die über die Entwicklung der Region informieren. Besonders anschaulich ist hierbei das deutsche Bergbau-Museum, dass in die Arbeitswelt der Zechenkumpel entführt.
Als wichtigste Festivals des Ruhrgebiets gelten die "Ruhrtriennale", die "Ruhrfestspiele Recklinghausen", das "Klavierfestival Ruhr" (mit mehr als 60 Konzerten das größte Klavierfestival der Welt) und die "Extraschicht: Die Nacht der Industriekultur", bei der an allen Stätten der Industriekultur einen Tag und eine Nacht lang ein besonderes Programm geboten wird. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Großveranstaltungen, die in den großen Arenen und Open Air veranstaltet werden.
Die Vielfalt des Ruhrgebietes entstand durch den großen Tatendrang der Menschen, der sich nicht durch eine zentrale planerische Gestaltung bändigen ließ. Die Bandbreite an Sehenswürdigkeiten und Programmangeboten ist in dieser Intensität und Dichte einmalig auf der Welt. Die Menschen im Ruhrgebiet wissen dieses Gut zu schätzen. Sie sagen, was sie denken und sie sagen es in einer für Außenstehende möglicherweise anfänglich irritierend direkten Sprache. Aber sie sind dabei sehr herzlich und umgänglich, so dass die mit der Direktheit gepaarte Gastfreundschaft ihren eigenen Charme entwickelt.
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