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Das "schwarze Gold" wich Handel und Dienstleistung
Die Grundlagen des Ruhrgebietes wurden vor 350 Millionen Jahren geschaffen. Mit der Entstehung der
Steinkohle im Gebiet zwischen den Flüssen Ruhr, Rhein und Lippe war die Entwicklung zu diesem
einzigartigen Ballungsraum vorprogrammiert. Die Gewässer bilden noch heute die geographischen
Grenzen des Ruhrgebietes: der Rhein im Westen, die Lippe im Norden und die Ruhr im Süden.
Bevor die Kohle für einen kommerziellen Zweck entdeckt wurde, hatte das Ruhrgebiet ein eher
ländliches Erscheinungsbild. Zahlreiche Wasserschlösser, Burgen, Herrenhäuser und Kirchen prägten
die Region. Infolge der Feldzüge Karls des Großen gelang dem Christentum der Durchbruch im
Ruhrgebiet. Die Militärstützpunkte und Verwaltungszentren, die im Rahmen der Heereswanderung
angelegt wurden, bildeten die Keimzellen vieler Städte, die sich im Laufe der Zeit entwickelten.
Die Hauptschlagader war von alters her die Handelsstraße "Hellweg", die vom Rhein aus zu den
Flüssen Weser und Elbe führte. Entlang dieses Weges entstanden bereits im Mittelalter die Städte
Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund und Unna. Im Bereich der Lippe wurden zeitgleich die Städte
Dorsten, Haltern, Lünen und Hamm gegründet.
Anfang des 14. Jahrhunderts wurde in einer Dortmunder Urkunde zum ersten Mal der Steinkohlebergbau
erwähnt. In den nächsten drei Jahrhunderten entwickelte sich der Kohleabbau zunächst langsam fort.
Damals lagen die Vorkommen noch an der Erdoberfläche oder die Bergleute konnten das "schwarze Gold" aus geringen Schachttiefen fördern. 1736 eröffnete das erste Bergamt des Ruhrgebiets und der Kohleabbau kam unter staatliche Aufsicht. Um 1790 verzeichnete man bereits rund 900 Kleinzechen an der Ruhr. Die Absatzmärkte wurden im Laufe des 18. Jahrhunderts nach und nach auf die benachbarten Regionen ausgeweitet. Im Zuge dieser Ausweitung wurde die Ruhr durch 16 Schleusen für den Kohlentransport schiffbar gemacht. Im 19 Jahrhundert verlagerte sich mit dem Bau der Köln-Mindener-Eisenbahn der Kohlentransport vermehrt auf den rentableren Schienenweg. Heute gibt es im Ruhrgebiet immer noch ein sehr dichtes Schienennetz für den Güter- und Personenverkehr.
Die Erfindung der Dampfmaschine durch James Watt brachte nach 1769 umfangreiche Veränderungen für
den Steinkohleabbau des Ruhrgebietes. Das in die Abbauregionen einströmende Grundwasser konnte
durch die Dampfmaschinen bewältigt werden. Und um in weitere Tiefen vordringen zu können, mussten
härtere Gesteinsschichten durchbohrt werden, wobei die mit Dampf betriebenen Maschinen auch eine
große Hilfe waren. Aus den tieferen Erdschichten konnte dann höherwertigere Kohle gefördert werden. Durch diesen Fortschritt entstand auch ein gewaltiger Aufschwung der eisen- und stahlerzeugenden Industrie, die verkokste Kohle zur Produktion benötigte. Die Hüttenindustrie wurde durch die neuen Möglichkeiten so produktiv wie nie zuvor - die Stähle aus dem Ruhrgebiet wurden auf Steinkohlebasis erzeugt und steigerten die Nachfrage nach diesem Grundstoff erheblich. Mit den Stählen wurde die Entwicklung der Montanindustrie vorangetrieben. Die Werkzeuge und Fördergerüste konnten erheblich günstiger und schneller gefertigt werden. Mit steigender Nachfrage breitete sich der Steinkohlebergbau immer weiter nach Norden, Richtung Lippe, aus. Das Bild des Ruhrgebietes veränderte sich zusehends. Zechen schossen wie Pilze aus dem Boden, Straßen, Schienen und Kanäle durchzogen die Landschaft. Kokereien, Stahlwerke und Fabriken wurden errichtet. Binnen kurzer Zeit verwandelte sich das Bild von einem verträumten bäuerlichen Landstrich in eine montanindustrielle Stadtlandschaft.
Mit fortschreitender Metamorphose des Ruhrgebietes strömten auch die Menschen in die Region und in
die Städte. Im Zeitraum zwischen 1850 und 1925 stieg die Bevölkerungszahl von rund 400.000 auf ca.
3,8 Millionen Einwohner. Der Ballungsraum Ruhrgebiet entstand in so kurzer Zeit, dass kaum eine
Möglichkeit bestand eine organisatorische Raumplanung vorzunehmen.
Selbst nach den die Zerstörungen der beiden Weltkriege und den mit ihr verbundenen Demontagen
setzte der Wirtschaftsboom im Ruhrgebiet jeweils schnell wieder ein. 1956 war der Höhepunkt der
Förderung des "schwarzen Goldes" aus dem Boden des Ruhrgebietes erreicht. Im Bergbau förderten
494.000 Arbeiter 124.600 Jahrestonnen Kohle. Weil die Förderung der Kohle immer teurer wurde, da
sie aus immer tiefer liegenden Flözen geholt werden musste, setzte nach und nach der Niedergang
dieser Industrie ein.
Die neue Konkurrenz durch billigere Importkohle, Erdöl und Erdgas löste
bereits 1958 die erste Bergbaukrise des Ruhrgebiets aus. Das Beschäftigungswachstum wurde zuerst
gebremst, nach und nach mussten dann immer mehr Zechen schließen bis es zu einer massiven
Abbauwelle der Arbeitsplätze kam. Innerhalb der folgenden 20 Jahre verringerte sich die Zahl der
fördernden Zechen von 148 auf 35, die Belegschaft wurde um mehr als die Hälfte reduziert. Aber
nicht nur in der Kohleindustrie sondern in der gesamten Montanindustrie gab es eine
Stilllegungsflut für Produktionsstandorte. Zuerst wurde der Regionalkrise mit Subventionen des
Montanbereiches entgegnet, dann viele Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut. Die Subventionen
laufen voraussichtlich in den kommenden Jahren aus, damit wird die Bergbauära im Ruhrgebiet ihr
Ende finden.
Das Sterben einer ganzen Industrie machte einen Strukturwandel unvermeidlich, um wieder
Beschäftigung und Lebensperspektiven anbieten zu können. In den 60er-Jahren legte man etwa den
Grundstein für die dichteste Hochschullandschaft Europas. Die Ruhrgebietsuniversitäten in Bochum,
Dortmund, Düsseldorf, Duisburg/Essen und die Fernuniversität Hagen dazu die Privatuniversität in
Witten-Herdecke und neun weitere Fachhochschulen dokumentieren diesen Willen zum Umdenken. In den
Umfeldern der Fachhochschulen entstanden oft Technologiezentren, so dass die wissenschaftlichen
Erkenntnisse auf kürzestem Weg in wirtschaftliche Resultate umgesetzt werden konnten.
Neben den Bildungsbemühungen wurden neue Wirtschaftsbranchen wie Chemie, Automobilindustrie und regenerative Energien für das Ruhrgebiet gewonnen. Aber auch der Dienstleistungssektor ist mittlerweile ein Aushängeschild für das Ruhrgebiet. Mittlerweile sind 65% der Bürger in Handel und Dienstleistungsunternehmen beschäftigt - dass sind mehr Menschen als jemals im Montanbereich.
Am kulturellen Angebot lässt sich ebenfalls der strukturelle Wandel der Region ablesen. Über 200 Museen und örtlichen Galerien, aber auch hochrangig besetzte Theater, Opern und Musicalspielstätten bilden ein sehenswertes Programm für ein breites Publikum.
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