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"Kreisel" begründete den Mythos, Arena leutete für siebenfachen Meister das Zeitalter der Moderne ein
Der FC Schalke 04 gehört zu den populärsten Fußball-Vereinen Deutschlands. In vielerlei Hinsicht ist er sogar einmalig: Kein anderer Club kann von sich behaupten, zu seinen Heimspielen regelmäßig mehr als 60.000 Zuschauer zu begrüßen, obwohl der letzte Meistertitel vor 45 Jahren gefeiert werden konnte. In den letzten 90 Jahren hat der Club allerdings die Weichen dafür gestellt, dass die treuen Fans für ihre leidenschaftliche Hingabe belohnt wurden und werden. In den vergangenen sechs Jahren gab es mit dem UEFA-Cup-Sieg 1997 den ersten internationalen Titel zu feiern, dazu wurde 2001 und 2002 der DFB-Pokal gewonnen. Mit der Arena AufSchalke verfügen die Königsblauen zudem über das modernste Stadion Europas. Eine Erfolgsgeschichte, die unter ganz einfachen Bedingungen ihren Anfang genommen hatte.
Am 4. Mai 1904 gründete eine Gruppe 14- bis 15-jähriger Jungen in der Bergarbeiterstadt Gelsenkirchen einen Fußballverein namens Westfalia Schalke. Um zum offiziellen Spielbetrieb zugelassen zu werden, fusionierte der Verein 1912 mit dem Turnverein 1877 Schalke. Im Jahr 1924 trennten sich die Kicker von den Turnern und nannten sich fortan FC Schalke 04. Die Vereinsfarben änderten sich von rot und gelb zu blau und weiß.
In dieser Zeit begann der Aufstieg zur berühmtesten deutschen Fußball-Mannschaft. Der "Schalker Kreisel" - ein auf auf schottischem Flachpassspiel basierender elegantem Kombinationsfußball - wurde zum Markenzeichen der Elf um den charismatischen Führungsspieler Ernst Kuzorra. Gemeinsam mit seinem Schwager Fritz Szepan, dem langjährigen Kapitän der Elf, bestimmte Kuzorra in jeglicher Hinsicht die Geschicke des Vereins. Weil der Club wie seine Spieler in enger Verbindung zum Bergbau stand, brachte dies den Schalkern den Spitznamen "die blau-weißen Fußballknappen" (Knappe: Bergmann nach abgeschlossener Lehre) ein. Passend dazu taufen die Kicker nach dem traditionellen Gruß der Bergleute ("Glück auf!") ihre 1927 eingeweihte Spielstätte auf den Namen Glückauf-Kampfbahn.
In der Folgezeit dominierten die Königsblauen den Fußball in ganz Deutschland. Zwischen 1933 und 1942 ziehen sie neun Mal ins Finale um die Deutsche Meisterschaft ein, das sie sechsmal siegreich gestalten. 1939 gelang den Knappen der höchste Sieg, der je in einem Endspiel um einen nationalen deutschen Wettbewerb errungen wurde. Wie im Rausch kreiselten sich die Knappen im Berliner Olympiastadion zu einem 9:0 gegen Admira Wien. Der "Mythos Schalke" war geboren, der auch spätere Generationen faszinieren sollte und damit die Basis für eine riesige Fangemeinde legte.
Nach dem zweiten Weltkrieg fiel es den Knappen schwer, das hohe sportliche Niveau zu halten. Die Deutsche Meisterschaft gewannen die sie nur noch einmal: 1958 besiegte die von Edi Frühwirth trainierte Mannschaft um Kapitän Bernhard Klodt den Hamburger SV mit 3:0.
Natürlich gehörte Schalke 04 auch zu den 16 Vereinen, die 1963 in die erste Bundesligasaison starteten doch erst Ende der 60er Jahre formierte sich erneut eine vielversprechende junge Elf um den legendären Rechtsaußen Reinhard Libuda, den man wegen seiner Dribbelkünste in Anlehnung an den englischen Nationalspieler Sir Stan Matthews respektvoll "Stan" nannte. 1972 wurde die Mannschaft von Trainer Ivica Horvat mit begeisterndem Angriffsfußball Vize-Meister und holte mit einem 5:0-Endspielsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern zum zweiten Mal nach 1937 den DFB-Pokal.
Die Beteiligung am Bundesligaskandal, in dem in der Saison 1970/71 eine Reihe von Spielen "verschoben" wurden, ließ die Mannschaft nach und nach auseinander brechen. 1977 reichte es für die Elf um Torjäger Klaus Fischer zwar noch einmal zur Vizemeisterschaft, doch in den Jahren danach begann der sportliche Abstieg. Unter diesem hatten die Anhänger besonders in den 80er Jahren zu leiden. Gleich drei Mal - 1981, 1983 und 1988 - musste der Traditionsverein den Weg ins Fußball-Unterhaus antreten.
Ein Ende der Leidenszeit der treuen Anhänger war gekommen, als die Schalker 1991 endgültig ins Oberhaus zurückkehrten. 1996 gelang dem Verein erstmals nach 19 Jahren wieder die Qualifikation für einen Europapokalwettbewerb. Auf der internationalen Ebene schrieben die Knappen in der folgenden Spielzeit ein Fußball-Märchen: In den beiden Finalspielen gegen das hoch favorisierte Team von Inter Mailand gewannen die Knappen sensationell den UEFA-Pokal. Unterstützt von 30.000 (!) mitgereisten Anhängern verwandelte Marc Wilmots am 21. Mai 1997 im Mailänder San-Siro-Stadion im Elfmeterschießen den entscheidenden Strafstoß für das Team von Trainer Huub Stevens, das aufgrund seiner überragenden kämpferischen Qualitäten als "Eurofighter" in die Vereinsgeschichte eingegangen ist.
Auch außerhalb des grünen Rasens schaffte der Verein kleine Wunder. Zunächst gab er sich 1994 eine neue Vereinssatzung, die fortan als Prototyp für die Bundesliga galt. Wie in einem Wirtschaftsunternehmen bestellt ein Aufsichtsrat den Vorstand des Vereins. Dies war die Basis für das bislang ehrgeizigste Projekt der Vereinsgeschichte. 1998 begann der FC Schalke mit dem Bau einer multifunktionalen Spielstätte, die das Parkstadion ablöste. In nur 32 Monaten wurde die 61.000 Zuschauer fassende Arena AufSchalke errichtet. Die Gesamtkosten des Stadions von 191 Millionen Euro wurden vom Verein komplett privatwirtschaftlich finanziert.
Pünktlich zur Einweihung des Festspielhauses des deutschen Fußballs knüpften die Königsblauen sportlich an ganz große Zeiten an und werden 2001 im wohl dramatischsten Saisonfinale der Bundesligageschichte Vizemeister. Damit qualifizierten sie sich erstmals für die UEFA Champions League und gewannen mit einem 2:0 über den Regionalligisten 1. FC Union Berlin zum dritten Mal den DFB-Pokal. Diesen Titel verteidigten die Knappen ein Jahr später mit einem 4:2-Endspielerfolg über Bayer Leverkusen.
Diese Erfolge verfehlten ihre Wirkung auf die Popularität des Vereins nicht. Die Arena AufSchalke war seit ihrer Einweihung am 13. August 2001 bis auf ganz wenige Ausnahmen immer ausverkauft. In den ersten beiden Spielzeiten begrüßte der Club jeweils mehr als eine Million Besucher allein zu den 17 Heimspielen der Bundesliga. Im Wirtschaftsjahr 2002 zählten die Königsblauen mit einem Jahresumsatz von 118,5 Millionen € zu den finanzstärksten Vereinen Europas. Dazu kann sich der inzwischen mehr als 35.000 Vereinsmitglieder und ist damit hinter dem FC Bayern München der mitgliederstärkste Sportverein Deutschlands. Somit hat der Verein zum 100-jährigen Bestehen des Vereins den Brückenschlag von der Tradition zur Moderne geschafft.
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